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biografie

Biografie von Joseph Eybler (1765-1846)

(Autor: Reinhold Kainhofer, Juni 2009)

Leben

Joseph Eybler, ein später Vertreter der Wiener Klassik, wurde am 8. Februar 1765 in Schwechat bei Wien als fünftes von sechs Kindern des dortigen Chorleiters und Schullehrers geboren. Von seinem Vater, einem Jugendfreund Michael Haydns, erhielt er auch früh seinen ersten Musikunterricht, sodass er im Alter von 6 Jahren bei einem Klavierkonzert den Hofbeamten Joseph Seitz derart beeindruckte, dass dieser ihm einen Platz im Wiener Stadtseminar von St. Stephan verschaffte. In diesem Seminar, wo auch Albrechtsberger und Joseph und Michael Haydn ihre Ausbildung erhielten, wurde er in Gesang, Instrumentenspiel und Generalbass unterrichtet. Außerdem erhielt er 1777-79 Kompositionsunterricht von Georg Albrechtsberger.

Nach der Schließung des Seminars unter Joseph II. im Jahr 1782 begann Eybler das Studium der Rechtswissenschaften, musste dieses aber, nachdem ein Brand das Hab und Gut seines Vaters vernichtet hatte, bald wieder aufgeben und seinen Lebensunterhalt als Musiker verdienen.

Unterstützung erhielt er unter anderem von seinem entfernten Verwandten Joseph Haydn, mit dem ihm auch eine Freundschaft verband und der seine Kompositionen zur Veröffentlichung empfahl. Mit Mozart entwickelte sich ebenso eine enge Freundschaft1), der ihm sogar die Chorproben und Solisten-Einstudierung der Oper „Cosi fan tutte“ anvertraute. Die schlechten Erfahrungen dabei überzeugten Eybler allerdings, sich nach seiner einzigen Oper „Das Zauberschwert“ (UA 1790) von der Oper abzuwenden und ganz der Kirchen- und Kammermusik zu widmen. Nach dem frühen Tod Mozarts erhielt Eybler von dessen Witwe Constanze den Auftrag, das Requiem fertigzustellen, wozu sich Eybler letztendlich aber nicht in der Lage sah.

1792 wurde Eybler Nachfolger Albrechtsbergers als Chordirektor bei den Carmeliten, 1794-1824 auch im Schottenstift.

Durch einige Hauskonzerte vor der Kaiserfamilie gewann Eybler die Gunst von Kaiserin Maria Theresia, der 2. Gattin von Kaiser Franz, sodass er 1801 oder 1802 zum „kaiserlichen Lehrer der Tonkunst“ ernannt wurde und die Erzherzoge und -innen zu unterrichten hatte. 1803 komponierte er im Auftrag der Kaiserin sein doppelchöriges Requiem in c-Moll. 1804 folgte die Ernennung zum Vize-Hofkapellmeister unter A. Salieri, allerdings „ohn Gehalt“ (erst 1806 mit Gehalt). Ebenfalls 1806 heiratete Eybler die Kammerdienerin der Kaiserin, Theresia Müller, mit der er eine Tochter und einen Sohn zeugte, von denen aber die Tochter in Alter von zwei Jahren starb.

Im Jahr 1806 wurde Eybler weiters Mitglied, 1807 Assessor, 1820 Secretär und 1824 Vicepräses des Pensionsinstituts der Tonkünstler.

Im Auftrag des Kaisers entstand 1810 das Oratorium „Die vier letzten Dinge“, dessen Libretto eigentlich für Joseph Haydn gedacht war.

Als Salieri 1823 schwer erkrankte, übernahm Eybler die Leitung der Hofmusik, nach der Pensionierung Salieris wurde er am 6. Juni 1824 offiziell zum ersten Hofkapellmeister ernannte und leitete damit die aus etwa 50 Orchestermusiker und Chorsänger bestehende Hofmusikkapelle. Die erste von sieben verlegten Messen erschien 1826 bei im Verlag von Tobias Haslinger und wurde u.a. von Hofrat Rochlitz in Leipzig als „echtes Kunstwerk“ bezeichnet.

Während eines Mozart-Requiems erlitt Eybler im Februar 1833 einen Schlaganfall, von dem er sich zwar bald wieder erholte, aufgrund dessen er sich aber von der Hofmusik immer weiter zurückziehen musste. Die schon länger beantragte Erhebung Eyblers in den Adelsstand („Edler von“) fand schließlich 1835 statt. Etwa um diese Zeit wurde auch das Komponieren für Eybler zu mühsam.

Am 24. Juli 1846 starb Eybler schließlich „an Altersschwäche“ im Schottenhof in Wien und wurde wie auch schon Schubert und Beethoven in Außer-Währing beerdigt, später jedoch nach Schwechat überführt.

Musikalischer Stil und Persönlichkeit

Eyblers musikalischer Stil, der auch von gründlicher Satzkenntnis zeugt, ist vor allem von Traditionalität und Anlehnung an die alten Meister wie Mozart oder die beiden Haydn-Brüder geprägt. Die Vokalstimmen sind relativ leicht gesetzt, die Orchesterstimmen jedoch für oft technisch anspruchsvoll, wobei alle Instrumente gleichberechtigt sind. In der Kammermusik tritt auch die Bratsche (Eybler spielte neben Orgel und Klavier auch sehr gut Bratsche und Waldhorn) konzertant besonders in Erscheinung.

Der Traditionalismus Eybler zeigt sich auch in der Ablehnung von Schuberts As-Dur Messe, da diese nicht in dem Stil sei, „den der Kaiser liebe“. Ebenso wurde Schuberts Bewerbung als Vize-Hofkapellmeister abgelehnt.

Eyblers Schaffen und Talent wurde bereits zu Lebzeiten hoch gewürdigt, was sich nicht zuletzt in zahlreichen überaus positiven Empfehlungen, unter anderem von Haydn, Mozart und Albrechtsberger niederschlägt.2) Dennoch scheint Eybler bescheiden geblieben zu sein, wie u.a. ein Brief an Rochlitz zeigt3). In diesem Brief hebt Eybler allerdings auch seine beiden heute unbekannten Oratorien „Die Hirten bey der Krippe zu Bethlehem“ (1794 für das Pensions-Institut der Tonkünstler komponiert) und „Die vier letzten Dinge“ (1810 im Auftrag des Kaisers; das Libretto war ursprünglich für J. Haydn gedacht) besonders hervor, unterlässt jedoch jeden Hinweis auf seine Messen.

Trotz der großen Bekanntheit Eyblers geriet er mit der Zeit immer mehr in Vergessenheit und seine Werke werden heute praktisch nicht mehr verlegt und nur ein paar wenige der wunderschönen Proprien, Messen und Kammermusikwerke sind regelmäßig zu hören — ein Umstand, den die vorliegende Ausgabe tunlichst zu ändern versucht.

Quellen

[Herr76] H. Herrmann: Thematisches Verzeichnis der Werke Joseph Eyblers, TODO

[Öls34] TODO Ölsinger: Die Kirchenmusikalischen Werke Joseph Eyblers TODO

[AMZ] Rochlitz: Nachschrift zur Recension von Eyblers Requiem, Allgemeine Musikalische Zeitung, 24.5.1826, Nr. 21.

[MGG] B. Boisits, R. Haas: Eybler, Joseph Leopold Edler von, in: MGG, Personenteil 6, 602–605, Bärenreiter, Kassel, Basel, London, New York, Prag, 2001

[Grove] E. Badura-Skoda, H. Herrmann-Schneider: Eybler, Joseph [Josef] Leopold, in: The New Grove, 480–481

1)
„Wie viele Werke der würdigsten Meister […] sind wir in größter Aufmerksamkeit mit einander durchgegangen, und haben daran uns belehrt und erfreut!“ [AMZ1826]
2)
Albrechtsberger schreibt über Eybler sogar, „daß er nach Mozart in der Musik jetzt das größte Genie sey, welches Wien besitzt.“
3)
„über meine Kompositionen nähere Nachricht zu geben, […]“ gehe „gegen meine Natur und Gewohnheit […]“ [AMZ1826]
biografie.txt · Zuletzt geändert: 2009/07/20 18:12 von reinhold